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Rhetorische Mittel bei der Bachelorarbeit: Ja oder Nein?

Veröffentlicht am 04.12.2017 · Aktualisiert am 05.10.2026 von Druck deine Bachelorarbeit

Rhetorische Mittel bei der Bachelorarbeit

Kurz gesagt

Wissenschaftliches Schreiben braucht verständliche, präzise Sprache. Ein rhetorisches Mittel ist nicht allein wegen seines Namens ungeeignet: Entscheidend ist, ob es deine Aussage klärt oder eine Wirkung behauptet, die die Belege nicht tragen.

Rhetorik in wissenschaftlichen Texten genauer einordnen

Auch ein wissenschaftlicher Text trifft sprachliche Entscheidungen: Er gewichtet, verbindet, grenzt ein und führt Leserinnen und Leser durch eine Argumentation. Entscheidend ist nicht, ob ein Satz irgendein rhetorisches Mittel enthält, sondern ob die Formulierung Erkenntnisse nachvollziehbar macht. Metaphern, dramatische Fragen oder Superlative können einen Befund verzerren; klare Gegenüberstellungen und begründete Übergänge können dagegen Orientierung schaffen.

Die Fachkonvention ist der Maßstab. In einer literaturwissenschaftlichen Analyse kann die genaue Benennung rhetorischer Figuren selbst Untersuchungsgegenstand sein. In einem empirischen Ergebnisbericht stehen präzise Beschreibung und Unsicherheit im Vordergrund. Lies aktuelle Arbeiten und den Leitfaden deines Fachs, um Ton und Terminologie einzuordnen.

Vier typische Übertreibungen fachlich ersetzen

„Die Digitalisierung revolutioniert seit jeher alle Lebensbereiche“ ist zu groß und zeitlich unklar. Besser: „Die untersuchten Beratungsstellen verlagerten im Erhebungszeitraum einen Teil ihrer Erstkontakte in digitale Kanäle.“ Die zweite Fassung nennt Gruppe, Handlung und Zeitraum. Sie ist weniger spektakulär, aber prüfbar.

„Natürlich bevorzugen Studierende flexible Angebote“ unterstellt eine Selbstverständlichkeit. Schreibe stattdessen, worauf die Aussage beruht: „In den Interviews nannten acht Teilnehmende die freie Zeiteinteilung als Auswahlgrund.“ „Die Ergebnisse beweisen zweifelsfrei“ ersetzt du durch eine Aussage, die zum Design passt, etwa „Die Ergebnisse stützen für diese Stichprobe die Annahme …“. Und aus „Wie könnte man diese alarmierende Entwicklung ignorieren?“ wird eine direkte Problemformulierung mit Beleg.

Unsicherheit präzise statt schwammig ausdrücken

Wörter wie „möglicherweise“, „spricht dafür“ und „lässt sich nicht ausschließen“ sind nützlich, wenn sie eine reale Grenze markieren. Schreibe dazu, worin die Unsicherheit besteht: kleine Stichprobe, ungenaue Messung, alternative Erklärung oder widersprüchliche Literatur. Eine Kette aus „vielleicht könnte eventuell“ verschleiert dagegen, wie stark deine Aussage tatsächlich ist.

Unterscheide Beobachtung und Interpretation. „Die Gruppe öffnete die Plattform häufiger“ beschreibt einen Befund. „Das Feedback erhöhte ihre Motivation“ ist eine Deutung und braucht zusätzliche Begründung. Wenn das Design keine Ursache nachweisen kann, benennst du den Zusammenhang und diskutierst Motivation als mögliche Erklärung.

Übergänge mit Argumenten bauen

Formelhafte Übergänge wie „Wie bereits erwähnt“ oder „Nun kommen wir zu“ zeigen Bewegung, aber keinen Grund. Ein fachlicher Übergang nennt die Beziehung: „Da die bisherigen Studien überwiegend Selbstauskünfte auswerten, untersucht der folgende Abschnitt, ob sich derselbe Zusammenhang in Nutzungsdaten zeigt.“ Damit wird deutlich, warum der nächste Schritt folgt.

Dasselbe gilt innerhalb eines Absatzes. Beginne mit einer begrenzten Kernaussage, führe Beleg oder Beispiel an und erkläre anschließend seine Bedeutung für deine Frage. Setze ein Gegenargument nicht nur mit „allerdings“ davor, sondern zeige, welche Annahme es einschränkt.

Lange Sätze nach ihren Aufgaben zerlegen

Markiere in einem schwierigen Satz Behauptung, Begründung, Einschränkung und Folge. Wenn alle vier in einem Satz stecken, teile ihn. Behalte die logische Verbindung mit eindeutigen Verweiswörtern. Prüfe Pronomen wie „dies“ oder „dabei“: Ist klar, ob sie sich auf den Befund, die Methode oder die Interpretation beziehen? Fachbegriffe musst du nicht durch wechselnde Synonyme ersetzen; terminologische Konstanz ist oft genauer.

Bildhafte Sprache nur mit erkennbarem Nutzen verwenden

Eine etablierte Fachmetapher kann sinnvoll sein, wenn sie im Forschungsfeld definiert ist und du sie konsistent verwendest. Eine selbst erfundene Bildfolge kann dagegen Unterschiede verdecken. Schreibe zunächst die sachliche Aussage. Prüfe dann, ob das Bild eine Beziehung genauer verständlich macht oder nur Aufmerksamkeit erzeugen soll. Im zweiten Fall lässt du es weg.

Auch rhetorische Fragen sind selten nötig, wenn die Antwort bereits feststeht. Aus „Doch was bedeutet das für die Praxis?“ wird eine klare Überleitung: „Für die Praxis folgt daraus eine begrenzte Empfehlung für die untersuchten Kurse.“ So behauptet der Text nicht mehr Reichweite, als die Untersuchung liefert.

Nominalstil und Passiv gezielt statt automatisch behandeln

Nominalisierungen können Fachbegriffe bündeln, machen Handlungen aber leicht unsichtbar. Aus „Nach Durchführung der Auswertung erfolgte die Interpretation“ wird „Nach der Auswertung interpretierten wir die Kategorien“ oder eine fachlich passende unpersönliche Form. Ob ein „wir“ oder „ich“ zulässig ist, bestimmt die Konvention deines Fachs.

Passiv ist nützlich, wenn der Vorgang wichtiger ist als die handelnde Person: „Die Interviews wurden transkribiert.“ Ergänze dennoch relevante Entscheidungsträger und Kriterien, wenn sonst Verantwortung oder Nachvollziehbarkeit fehlen. Variiere nicht nur um der Abwechslung willen; präzise wiederholte Begriffe sind besser als wechselnde unklare Synonyme.

Ein Absatz vor und nach der Überarbeitung

Vorher: „Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung soll nun die durchaus spannende Frage beleuchtet werden, ob die neue Plattform in gewisser Weise womöglich positive Effekte hat.“ Der Satz kündigt an, wertet und bleibt unbestimmt. Nachher: „Die Untersuchung vergleicht, wie häufig Studierende Übungen mit und ohne unmittelbare Rückmeldung wiederholen.“ Nun sind Handlung, Gruppe und Vergleich sichtbar.

Der nächste Satz kann die Grenze nennen: „Da die Gruppen nicht zufällig zugewiesen wurden, beschreibt der Vergleich einen Zusammenhang und keine kausale Wirkung.“ Die Genauigkeit entsteht aus Methode und Reichweite, nicht aus eindrucksvoller Wortwahl.

Fachbegriffe für die Leserschaft führen

Definiere einen zentralen Begriff bei der ersten fachlichen Verwendung und nutze ihn danach konsistent. Wenn mehrere Schulen denselben Ausdruck unterschiedlich verstehen, benenne die gewählte Arbeitsdefinition. Vermeide es, den Begriff später durch ein alltagssprachliches Wort zu ersetzen, das eine andere Bedeutung trägt.

Abkürzungen entlasten nur, wenn sie wiederholt vorkommen und eindeutig sind. Zu viele Kürzel erhöhen die Leselast. Prüfe beim Gegenlesen eines Kapitels, ob die Bezeichnung ohne Rücksprung verständlich bleibt.

Wertungen an Kriterien binden

Wörter wie „erfolgreich“, „problematisch“ oder „effizient“ brauchen einen Maßstab. Nenne, woran du die Bewertung festmachst: Zielerreichung, Zeitaufwand, Fehlerquote oder Aussagen der Befragten. Aus „Die Methode war erfolgreich“ wird etwa „Die Methode identifizierte alle vorab definierten Kategorien, erforderte aber zwei zusätzliche Codierdurchgänge.“ Die Bewertung wird dadurch überprüfbar.

Zitate nicht als dramatischen Einstieg verwenden

Ein prägnantes Zitat am Kapitelanfang braucht dieselbe fachliche Funktion wie im übrigen Text. Wenn du seinen Wortlaut nicht analysierst oder für die Argumentation brauchst, ist ein direkter Problemsatz meist klarer. Prüfe Autorität, Kontext und Fundstelle; Bekanntheit oder Klang machen eine Aussage nicht automatisch zu einem geeigneten Beleg.

Passende nächste Schritte

Nach dem fachlichen Stilcheck kannst du die sprachliche Oberfläche mit der Rechtschreibprüfung kontrollieren: Rechtschreibprüfung.

Ist der Text sprachlich fertig, kannst du ihn auf der Seite Bachelorarbeit drucken lassen in die gewünschte Ausführung bringen lassen.

Stilprüfung eines Absatzes

  • Die Kernaussage ist begrenzt und belegbar.
  • Beobachtung und Interpretation bleiben unterscheidbar.
  • Einschränkungen nennen ihren konkreten Grund.
  • Übergänge erklären die Beziehung zwischen Gedanken.
  • Metaphern und Wertungen verändern den Befund nicht.
  • Fachbegriffe werden konsistent verwendet.

Quellen und weiterführende Anleitungen

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